Franz ist gerade in die zweite Klasse Volksschule gekommen. Die Sommer- ferien sind zu Ende und der Schulalltag hat ihn wieder. In der Früh fast nicht aus dem Bett kommen, schnell anziehen, frühstücken und waschen schon geht es in die Schule.
Dort wartet Frau Schubert, seine Klassenlehrerin. Beide verstehen einander sehr gut. An ihr liegt es nicht, dass Franz nicht gerne in die Schule geht. Es liegt viel mehr daran, dass er der Schlechteste beim Lesen und Schreiben ist.
Bei den Klassenkameraden ist er sehr beliebt, denn er hat als Einziger das neue Computerspiel schon durchgespielt. Er kann auch ganz tolle Geschichten erzählen und versetzt ideell seine Klassenkammeraden gerne in eine Welt voller Ritter, schöner Rüstungen und scharfen Schwertern. Kein anderer in der Klasse kann mit seiner Fantasie andere Kinder so begeistern wie Franz.
Aber kaum soll er vorlesen, verschwimmen die Buchstaben vor seinen Augen. Dieses Phänomen kannte er schon in der ersten Kasse. Seine Mutter hat ganz fleißig mit ihm geübt. Einmal hat er gelesen, dass es nur so eine Freude war, und am nächsten Tag war es eine Qual nur den ersten Satz desselben Textes zu lesen.
Frau Schubert vermutet, dass Franz ein Legastheniker ist.
Aber was ist ein Legastheniker?
Die pädagogische Definition von Frau Dr. Astrid Kopp – Duller (1995):
„Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole, wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sich durch seine differenzierte Teilleistung anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens.“
Franz scheint aufgrund der Verhaltensweise und Anzeichen ein Legastheniker zu sein, wie viele andere Menschen auch!
Hier ein paar bekannte Namen von Legasthenikern:
Johannes Gutenberg (1397 - 1468, Erfinder der Buchdruckkunst)
Leonardo da Vinci (1452 - 1529, italienischer Bildhauer, Maler, Architekt, Ingenieur und Forscher)
Napoleon Bonaparte (1769 - 1821, französischer Feldherr und Kaiser)
Charles Darwin (1809 - 1882, britischer Naturforscher und Erfinder der Evolutionstheorie)
Albert Einstein (1879 - 1955, deutscher Physiker, Entdecker der Relativitätstheorie)
Agatha Christie (1890 - 1976, englische Autorin)
Walt Disney (1901 - 1966, amerikanische Trickfilmproduzent von „Susi und Strolchi“, „Bambi“ und „Dumbo“)
Whoopi Goldberg (1955, amerikanische Filmschauspielerin)
John Lennon (1940, einer der vier Beatles)
Franz wird jetzt wahrscheinlich wissen wollen worum es denn bei seinen Schwächen überhaupt geht!
Informationen zu Legasthenie, Dyskalkulie, Lese- und Rechtschreibschwäche sowie die Erläuterung der Unterschiede aus dem Buch „Der legasthene Mensch“ von Dr. Astrid Kopp-Duller:
„Als Legasthenie bezeichnet man die Problematik, wenn es bei offensichtlich intelligenten Kindern zu einer Diskrepanz zwischen ihren allgemeinen Leistungen und den Leistungen, die sie im Schreib- und Lesebereich erbringen, kommt, welche biogenetische Ursachen hat.“
„Als Dyskalkulie bezeichnet man Schwierigkeiten der Kinder im Umgang mit Zahlen, Zahlenräumen und Grundrechenoperationen. Die Verursachung liegt noch weitgehend im Ungewissen, weil sich die Forschung noch nicht sehr lange mit dieser Problematik beschäftigt. Man nimmt aber an, dass diese ähnliche Ursachen wie die Legasthenie hat.“
Eine Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) ist nicht ein anderes Wort für Legasthenie!
LRS ist eine erworbene, zumeinst auch vorübergehende Problematik, die durch psychische oder physische Ereignisse im Leben eines Kindes hervorgerufen werden kann.
Legasthenie und Dyskalkulie bleiben ein Leben lang bestehen. Nur durch gezieltes Training kann ein legasthener bzw. dyskalkuler Mensch genau so gute Erfolge schaffen wie eine nicht betroffene Person.
Ob Franz wirklich ein Legastheniker ist, wird sich erst durch einen Feststellungstest zeigen.
Durch einen Computertest - „Aufmerksamkeit, Funktion und Symptom Methode“ (AFS – Methode) – stellt der Legasthenietrainer fest, ob es sich tatsächlich um Legasthenie und/oder Dyskalkulie handelt oder ob nur eine einfache Leserechtschreibschwäche vorhanden ist.
Die Feststellung ist wesentlich, da es bei vorhandener Legasthenie und/oder Dyskalkulie nicht ausreicht, nur Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben, sondern auch ein Training der Sinneswahrnehmungen und der Aufmerksamkeit notwendig ist.
Das Legasthenietraining ist grundsätzlich in jedem Alter möglich. Die Methoden des Trainings variieren je nach Alter.
Die Hauptzielgruppe aber sind Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 14 Jahren. Je früher mit dem konsequenten Training begonnen wird, desto schneller können sich Erfolge einstellen und umso mehr können Frustrationserlebnisse vermieden werden.
Auch bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen werden noch gute Erfolge erzielt. Ein äußerst starker Wille und viel Ausdauer sind die Voraussetzungen für Verbesserungen. In dieser Altersgruppe findet das Training im Bereich der Aufmerksamkeit und der Symptome statt, da die Sinneswahrnehmungen nicht mehr im selben Ausmaß trainiert werden wie bei jüngeren Menschen.
Auch im Vorschulalter kann bei Vorliegen der oben angeführten Hinweise ein speziell auf Kleinkinder abgestimmtes Training stattfinden. Dieses konzentriert sich dann auf die visuellen und auditiven Sinneswahrnehmungen sowie auf die Orientierung im Raum. Symptomtraining findet nicht statt, da die Kinder ja noch keinen Kontakt mit Symbolen wie Buchstaben und Zahlen haben.
Wird Legasthenie oder Dyskalkulie nicht rechtzeitig erkannt, können Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel Leistungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten, auftreten.
Durch den andauernden Misserfolg, den der Betroffene erfährt, kann es zu einem Teufelskreis kommen:

Mein Legasthenietraining will diesen Kreis, mit Hilfe des Betroffenen durchbrechen und im Gegensatz dazu einen positiven Kreis schaffen:

Damit Sie mit Ihren Fragen und Schwierigkeiten nicht alleine bleiben, biete ich Ihnen nicht nur ein individuelles Training ihrer Kinder sondern auch umfassende Beratung und gezieltes Elterncoaching an.